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Vorwort der Herausgeberin

Der Wunsch, weniger eurozentrisch zu sein, ist eins der immer wiederkehrenden Themen im Vorwort von JoSTrans. In unseren bisherigen Nummern waren nicht-europäische Autoren und Übersetzer  nicht so häufig vertreten, wie wir gehofft hatten.
Dafür gibt es viele Gründe, ich will zwei der wichtigsten nennen:
Zum einen ist die Redaktion der Zeitschrift in Großbritannien zu Hause. Lediglich virtuelle Kontakte reichen oft nicht aus, transkontinentale Arbeitsbeziehungen anzuspornen. Obwohl wir auf internationalen Konferenzen versuchen,  diesem Problem beizukommen, sind die meisten aktiv für die Zeitschrift arbeitenden Mitglieder aus Europa. Wie auf jedem anderen Gebiet ist es auch bei Zeitschriften: persönliche Beziehungen bestimmen gewöhnlich das Ergebnis der Produktion.
Ausserdem gibt es ein Sprachproblem. Nicht-englische Mutersprachler stehen, wie wir alle wissen, unter dem Druck, auf englisch zu publizieren. Obwohl JoSTrans grundsätzlich  multilingual sein möchte, sind die meisten Texte, die wir erhalten, auf englisch von nicht-Muttersprachlern verfasst. Diese Beiträge müssen daher oft ausführlich ediert werden, was im Fall von Autoren, die wenig Zugang zu englischen Muttersprachlern haben, wie zum Beispiel bei chinesischen Autoren, von den Redakteuren sehr viel Zeiteinsatz verlangt. In einem Kontext, wo Geld und daher Zeit knapp sind, müssen wir manchmal in unzureichendem Englisch geschriebene Artikel ablehnen, obwohl sie interessante Ideen beinhalten, die nicht-europäische Vorstellungen reflektieren.
Dank unserer neuen chinesischen Redakteurin Deborah Cao hoffen wir, künftig mehr chinesische Stimmen hören zu können, und fangen in dieser Ausgabe schon damit an. Wir hoffen, dass dies der Anfang eines transkontinentalen Trends ist, der uns stärker mit Übersetzern und Übersetzungswissenschaftlern aus dem  Nahen und Fernen Osten, aus Australien und Südamerika zusammenarbeiten läßt.
Diese Ausgabe reflektiert die gesamte Bandbreite der Themen, die wir bisher  behandelt haben, und zwar in Beiträgen, die verschiedeneste Gebiete untersuchen, vom Dolmetschen bis zum Übersetzen von juristischen und technischen Texten. Untersucht werden auch Themen, die bisher noch nicht behandelt wurden, wie zum Beispiel Copyright Probleme in einem Interview mit Richard Balkwill. Ausserdem haben wir eine "Übersetzerecke" für kürzere, eher praxisorientierte Beiträge eingerichtet.
Mit dieser siebten Ausgabe feiert JoSTrans seinen dritten Geburtstag. In unserem vierten Jahr wollen wir noch mehr als zuvor die kulturelle Vielfalt einem grossen  Publikum nahebringen und der Übersetzergemeinde eine dynamische Plattform  bieten. Redakteure, Autoren und Leser kommen zusammen und machen diese virtuelle Plattform möglich. Geniessen wir sie!
(Trans. Liselotte Brodbeck)