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Vorwort der Herausgeberin

Antoine Berman ist nicht der Einzige der beredt behauptet, dass jedesmal, wenn eine Übersetzung gemacht wird, der Wunsch danach vorhanden sein muss. Aus diesem Wunsch ergibt sich in allen Übersetzungsarten von allen Übersetzungsfachleuten ein herausragender Punkt: das Streben nach Qualität. Qualität hat natürlich viele Gesichter, darum sollten und können keine perfekten Muster erstellt werden. In der "Konstruktion des Vergleichbaren" (Ricoeur) jedoch, mit  dem die Übersetzung gleichgesetzt wurde, in der Sehnsucht nach der genauen, sensiblen und klaren Wiedergabe eines Textes, ist der Übersetzer an viel mehr als dem Übersetzungsprozess beteiligt. In diesem Prozess läuft nicht nur der Übersetzer Gefahr, unsichtbar zu sein, sondern auch die vielen verschiedenen Aufgaben, die sie oder er durchführen muss, um zufriedenstellende Arbeit zu leisten. Daher ist es wichtig, sicherzustellen, dass die Idee der Übersetzung eine grosse Bandbreite an Aktivitäten umfasst, inklusive derer, die sich auf eine Bewertung des übersetzten Produktes beziehen.

Überarbeitung steht im Mittelpunkt dieser Ausgabe von JoSTrans. In der Berufswelt, wo Zeit und Geld den Ton angeben, wird gewöhnlich wenig Energie auf diesen Aspekt der Übersetzung verwendet, was von den meisten Übersetzern weltweit beklagt wird. Manche Übersetzungswissenschaftler bedauern die Tatsache, dass Übersetzer oft selber ein Netzwerk von  Überarbeitung und Beurteilung aufbauen müssen, da von Firmen oder Agenturen kaum ein Überarbeitungsdienst angeboten wird. Dies wird in den Beiträgen zu dieser Ausgabe deutlich (und in anderen Beiträgen, wie  z.B. dem neuen Buch von Daniel Gile, La Traduction: la comprendre, l'apprendre).

Wir sind sehr dankbar, dass  Louise Brunette, die sich seit Jahren mit dem Problem der Überarbeitung beschäftigt,  dazu bereit war, diese Ausgabe als Gastherausgeberin zu betreuen, um diesem überaus wichtigen Thema das nötige  Gewicht zu verleihen. Sie hat einige der erfahrendsten Forscher und Praktiker auf diesem Gebiet zusammengebracht, die dazu beitragen, die Überarbeitung als Notwendigkeit des Übersetungsprozesses zu etablieren. Da sie zu jedem Artikel eine Einführung geschrieben hat, die den nötigen Kontext herstellt, brauche ich dies hier nicht zu tun. Die drei gestreamten Interviews, die diese Ausgabe begleiten, konzentrieren sich alle auf das Thema der Überarbeitung. Es sind drei verschiedene Stimmen, die verschiedene Aspekte beleuchten: Louise Brunette kommt von der Ausbildung her,  Jody Byrne ist technische Übersetzerin und Ausbilderin, Dimitri Siger-Perian ist ein junger Lokalisierungsexperte, der sich in der harten Welt der Online Spiele bewegt.

Lucile Desblache (trans. Lislelotte Brodbeck)