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Vorwort der Herausgeberin

Im Gefolge der Wirtschaftskrise, die die westlichen Gesellschaften und ihre Budgets der öffentlichen Dienste erschüttert haben, gab es in den letzten paar Monaten manche Veränderung im Hochschulbereich. Die Universitäten müssen den Herausforderungen des schnellen technologischen Wandels gewachsen sein, müssen die Verbindungen zur Industrie verbessern und neue Finanzierungsquellen finden. In einer sich zusehends verändernden Welt, in der die Regierungen immer weniger bereit sind, die Bildung zu subventionieren, hat es Vorrang, den Studenten beizubringen, sich an neue Situationen anzupassen und transferierbare Qualifikationen statt eines festen Wissensfundus zu erwerben.

Diese Änderungen werden nicht ohne Schwierigkeiten eingeführt, wie es die weitverzweigten Protestaktionen gegen Studiengebühren und Strukturreformen in Frankreich, Deutschland und Grossbritannien gezeigt haben. Wirtschafts- und naturwissenschaftliche Kurse passen sich so gut wie möglich an. In den Geisteswissenschaften dagegen sieht es schlecht aus: sie waren im 20.Jahrhundert die  Grundpfeiler der Hochschulbildung und verschwinden jetzt zusehends: Neue Sprachen, Philosophie und Geschichte kämpen in vielen Universitäten um ihre Existenz.

In diesem Zusammenhang ist die Übersetzungswissenschaft aus den bedrohten Fachbereichen Philologie, vergleichende Literaturwissenschaft oder Linguistik oft  erfolgreicher als ihre Vorgänger hervorgegangen, besonders an den britischen Universitäten, wo der Fachbereich  im letzten Jahrzehnt des 20.Jahrhunderts überhaupt erst sichtbar wurde.

Da sie als fertigkeitenbasiert und berufsbezogen angesehen wurde, zog die Übersetzungswissenschaft potentielle Studenten, vor allem aus einem zweisprachigen kulturellen Hintergrund an, sowie Kursanbieter, die dachten, hier einen neuen Fachbereich entdeckt zu haben, der wenn nicht alle, so doch viele Anforderungen nach Beschäftigungsfähigkeit sowie transferierbaren Kenntnissen erfüllt.

Wie Michail Sachinis jedoch in seiner Einleitung sagt, wurden Ausbildungsfragen im Bereich der Übersetzungswissenschaft nur langsam aufgenommen. Es gibt verhältnismäβig wenig Institute, die nicht nur Dolmetscher und Übersetzer sondern auch ihre Trainer ausbilden. Ausserdem scheint dies meistens spezifisch für das jeweilige Land zu sein.

 Diese Ausgabe wird von einem jungen Forscher herausgegeben, der einen komparativen Ansatz vertritt. Er hat eine eindrucksvolle Palette von Forschern aus Japan, HongKong, Griechenland, Malaysia, Polen, Spanien, der Schweiz und Grossbritannien zusammengebracht, die sich mit einem breiten Spektrum beschäftigen, von der Übersetzerausbildung für die EU bis zu Dolmetschern und Spezialisten in Lokalisierung. JoSTrans wollte immer eine Platform für Theoretiker und Praktiker bieten. Diese Funktion ist besonders wichtig, wenn es um ein Fachgebiet geht, das noch nicht voll entwickelt ist. Michail Sachinis hat diese Beiträge mit einem Enthusiasmus zusammengetragen, den sie hoffentlich ansteckend finden!

Lucile Desblache

(Trans. Liselotte Brodbeck)