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Vorwort der Herausgeberin

In seinem jüngsten Band über die Planung der neuen Weltordnung, The New World Order, behauptet Joel Kotkin, dass die Welt nicht mehr nach den dualen Einfluβbereichen Ost-West oder arm-reich aufgeteilt ist. Stattdessen nimmt sie die multipolare Gestalt von Stammesgruppen an, die durch Kultur und Sprache miteinander verbunden oder voneinander getrennt sind. Die Indo- Sino- und Anglosphären sind die mächtigsten dieser zahlreichen Einheiten, die sowohl intra- als auch interlinguistisch und interkulturell kommunizieren.

Die von Kotkins Forschungsteam aufgezeigten Statistiken sind sehr interessant: Länder mit  gemeinsamem kolonialen Erbe, die kulturelle, soziale oder religiöse Werte teilen haben 188% mehr Handelsbeziehungen untereinander als Länder mit anderer Geschichte. Die komplexen ökonomischen Wechselbeziehungen, die das Streben der Länder nach Macht und das wissenschaftliche, ökonomische und  kulturelle Wachstum bestimmen, das unsere Welt formt, hängt von der Effizienz der Kommunikation und der Übersetzung ab. In vieler Hinsicht bietet die Geograhie menschlichen Wissens auch eine Karte von Spezialgebieten, die sich ϋberschneiden und gegenseitig verstehen mϋssen. Der IT-Bereich durchdringt beispielsweise die meisten unserer Fächer und muss fachϋbergreifend verstanden werden.

In dieser Zeit der starken Spezialisierung und der expandierenden Technologie entwickeln sich Terminologie und Phraseologie nicht nur quantitativ bei der Entstehung neuer Bereiche, sondern auch der interdisziplinären Nachfrage entsprechend. Bis vor kurzem war die Terminologie ein begrenzter Bereich, der sich auf das Studium des Fachausdrucks, verschiedener Konzepte und Bedeutungen bezog. Terminologie bezieht sich jedoch nicht nur auf die Disziplinierung und das Management von Wörtern sondern ist fϋr die Artikulierung neuer  Ideen in multikultureller, multidisziplinärer und multilingualer Kommunikation notwendig. Margaret Rogers, Grϋndungsmitglied der Association for Terminology and Lexicography und Grϋnderin sowie bis 2011 Ko-ordinatorin des Terminologienetzwerks des Institute of Translation and Interpreting ist zur Gastherausgeberin dieser Ausgabe besonders gut geeignet. Ihre langjährige Erfahrung und ihr grϋndliches Fachwissen, verbunden mit ihrem Hintergrund in den Fachbereichen Terminologie und Übersetzungswissenschaft haben es ihr ermöglicht, eine ganz besonders reichhaltige Ausgabe herzustellen, auf die wir stolz sind.

Drei Interviews erweitern ebenfalls die Perspektive dieser Ausgabe: Michael Cronin diskutiert die Bedeutung der Authentizität im globalen Rahmen der Kommunikation mit Dionysios Kapsaskis: Myriam Salama-Carr denkt ϋber neue Entwicklungen in der Übersetzungswissenschaft, der Fachϋbersetzung und im naturwissenschaftlichen Diskurs nach; Margaret Rogers interviewt David Benett, einen freiberuflichen technischen Übersetzer, zu seiner Arbeit.

Zum Schluβ heisst JosTrans Łucja Biel in ihrer neuen Rolle als stellvertretende Herausgeberin willkommen. Sie tritt einem Team engagierter Experten bei, die diese Publikation erst möglich und erfreulich machen.
Lucile Desblache (trans. Liselotte Brodbeck)