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Vorwort der Herausgeberin

Mit dem Erfolg des Internets werden Sprachbarrieren mit Hilfe maschineller Übersetzungen zunehmend schneller abgebaut. Entwicklungen in der statistischen Maschinenübersetzung machen die verlockende Möglichkeit der sofortigen kostenlosen Übersetzung vorstellbar. Der wissenschaftliche Geschäftsführer von Google, Franz Josef Och, stellte in Googles offiziellem Blog im April 2012 stolz fest, dass “translate.google.com monatlich von 200 Millionen Nutzern  gebraucht wird” und dass “wir (bei Google) ungefähr das Textvolumen von einer Million Büchern pro Tag übersetzen.”1

Trotz der vielen Unzulänglichkeiten und Absurditäten, die immer noch bei maschinellen Übersetzungen auftreten, sollte man diese Leistungen nicht ignorieren. Übersetzungshilfen verändern die Art und Weise unserer Kommunikation, unseres Lebens und Arbeitens. Sie werden bleiben: In ihrer ständigen Entwicklung gehören sie zum Leben aller Menschen, nicht nur zu dem der Übersetzer und stellen keine Bedrohung für professionelle Übersetzer dar.
Es ist deshalb ebenso wichtig herauszufinden, wie sich die maschinelle Übersetzung auf das Leben und die Arbeitsmethoden der Übersetzer auswirkt, wie den quantitativen und qualitativen Fortschritt der computergestützten Übersetzungssysteme zu untersuchen. Es ist vielleicht erstaunlich, dass in einer Untersuchung im Jahr 2011 nur 6% der europäischen Arbeitgeber die Kenntnis dieser Systeme  bei der Anstellung junger Übersetzer für unabdingbar hielten, 37% dagegen setzten diese Kenntnisse nicht voraus.2 Eine Umfrage aus dem Jahr 2011 stellte fest, dass 42,9% der Übersetzer der maschinellen Übersetzung feindlich gegenüberstanden. 3 Eine Umfrage im Jahr 2010 zeigte, dass nur 12,7% der teilnehmenden Übersetzer der Meinung waren, dass CAT Tools, einschliesslich maschineller Übersetzungen, ihre Produktivität um 20 bis 30% erhöhte, während 25,7% es nicht wussten und 22,1% Cat Tools  weder besaßen noch benutzten.4

Louise Brunette und Laurie Gerber untersuchen diese Widersprüche in einer Ausgabe, die die neueste Forschung auf dem Gebiet der gegenwärtigen Übersetzungspraxis wiedergibt. Parallel zu ihren Artikeln werden zwei Interviews zu Übersetzung und Technologie angeboten: Sylvain Caschelin diskutiert neue Entwicklungen in der Live-Untertitelung und Roslyn Bottoni bespricht die Herausforderungen, denen sie als Editorin bei der Europäischen Kommission ausgesetzt ist. Wie immer hoffen wir, dass die Ausgabe informativ sein wird und interessieren uns für ihre Meinung dazu.

Lucile Desblache (trans. Liselotte Brodbeck)

Note 1:
Franz Josef Och (2012). “Breaking Down the Language barriers - six Years In.” April 26.
http://googleblog.blogspot.co.uk/2012/04/breaking-down-language-barriersix-years.html?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed:+blogspot/MKuf+(Official+Google+Blog)#!/2012/04/breaking-down-language-barriersix-years.html (consulted 20.10.2012).
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Note 2:
Results of the 2011 survey conducted by the Optimale project available at
http://www.translator-training.eu/optimale/attachments/article/40/Public%20part_report_2010_OPTIMALE%204018-001-001.pdf (consulted 20.10.2012).
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Note 3:
http://www.proz.com/polls/archived?poll_id_link=10300 (consulted 20.10.2012).
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Note 4:
The poll results can be viewed at http://www.proz.com/polls/9235 (consulted 20.10.2012).
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