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Vorwort der Herausgeberin

Seit Kain und Abel steht das Verbrechen im Zentrum aller menschlichen Gesellschaften und Kulturen. Manche glauben, dass die Globalisierung der Mӓrkte die Ungleichheit, die zum Anstieg der Kriminalitӓtsrate führt, vergröβert hat. Andere sind optimistischer und betonen die besseren allgemeinen Chancen von heute. Welcher Meinung man dazu sein mag, es gibt im 21. Jahrhundert zwei eindeutige Tendenzen:
         - Es gibt viel Kriminalitӓt auf globaler Ebene
         - Die Attraktivitӓt des Verbrechens als Unterhaltungsgenre steigt ungeheuer an und reflektiert diese internationale Dimension.
Das Verbrechen ist natürlich globaler, weil das Leben und die Kommunikation globaler sind. Die Verletzung der Menschenrechte oder des internationalen Rechts betreffend arbeiten die Lӓnder über ihre Grenzen hinweg in einer Reihe strafrechtlicher Fragen zusammen. Die Tatsache, dass die meisten internationalen Organisationen und Übereinkommen zur globalen Verbrechensbekӓmpfung in den letzten zwanzig Jahren geschaffen wurden, ist für diese Entwicklung wichtig. Versuche, das Verbrechen im internationalen Kontext zu bekӓmpfen, werden immer hӓufiger: das Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalitӓt (2000), das Europӓische Netz für Kriminalprӓvention (2001), der erste Stӓndige Internationale  Strafgerichtshof (2002), das Übereinkommen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalitӓt (2003) und die geplante Europӓische Staatsanwaltschaft.

Die Kriminalunterhaltung ist auf mehrere Arten global: Sie spricht ein breites Publikum an und passt sich ausgezeichnet an fremde Schauplӓtze an, die dem universellen Thema der Gewalt exotischen Reiz verleihen. Die französische Fernsehkriminalserie The Returned (Les Revenants) von 2013 schlug seine Rivalen The Killing (Forbrydelsen), Borgen und Spiral: Engrenages (Engrenages) in den Einschaltquoten. Sie hatte bei ihrem Debut 1,5 Millionen Zuschauer und war das am höchsten bewertete Drama mit Untertiteln der letzten zehn Jahre. Natürlich gibt es auch populӓre englische Kriminalfernsehserien die in andere Sprachen übersetzt werden und so zur kulturellen Vielfalt beitragen.

Gastherausgeber dieser Ausgabe sind Karen Seago, Jonathan Evans und Begona Rodriguez. Hier wird eine breites Spektrum der Übersetzung von Krimis im 21. Jahrhundert angeboten, wie aus der folgenden Einleitung hervorgeht. Dies erfolgt durch eine Reihe von Artikeln und Karen Seagos anschauliche Interviews mit Kriminalschriftstellern und Übersetzern. Diesmal gibt JosTrans die Spezialisierung auf und flirtet mit der Literatur – ist das ein Verbrechen?

 

Lucile Desblache (Trans. Liselotte Brodbeck)