RSS feed

Editorial

In seiner 25. Ausgabe stellt das Journal of Specialised Translation die Übersetzer in den Mittelpunkt, ihren aus dem Schatten hervortretenden und sich rasch entwickelnden Berufsstand.

Die Sonderausgabe The translation profession: centres and peripheries, deren Gastherausgeberinnen Helle V. Dam und Kaisa Koskinen sind, untersucht ein Thema weiter, das schon in der 19. (Machine translation and the working methods of translators) und der 21. Ausgabe (Professional aspects of translation) angesprochen wurde. Sie enthält 12 Artikel, eine Einleitung und eine Zusammenfassung der Gastherausgeberinnen, 8 Kritiken und 2 Interviews. Sie legt einen umfangreichen Überblick zur Forschung über den Berufsstand des Übersetzers vor, illustriert mit Belegen von ausgereiften Märkten wie Dänemark, Finnland, Spanien, Österreich, Israel und der Schweiz. Dies wird von methodologisch ergiebigen Ansätzen unterstützt, einschließlich der Soziologie der Übersetzung, empirischer Arbeitsplatzstudien,  von Umfragen, retrospektiven mündlichen  Protokollen  und der Analyse sozialer Netzwerke.

Das vorherrschende Thema dieser Ausgabe ist  eine Topologie des Übersetzerberufsstandes – sein Zentrum/Prototyp und die unscharfen Grenzen aus sowohl diachronischer (Paloposki) als auch synchronischer Perspektive. Die Gastherausgeberinnen legen die konzeptuellen Grundlagen in ihrer Einleitung und Zusammenfassung fest und diskutieren die Grenzarbeit von Forschern, Ausbildern und Berufstätigen (Dam und Koskinen). Zwei Artikel  konzentrieren sich auf eine wichtige Determinante der Topologie – den Status der Übersetzer. Sie analysieren, wie dieser von erfahrenen Übersetzern (Dam und Zethsen) und Studenten der Übersetzungswissenschaft (Ruokonen) verstanden wird. Ein anderer wichtiger Aspekt der Topologie ist die zentrale Bedeutung des jeweiligen Umfeldes: in kleinen oder mittleren Unternehmen (Kuznik), unter Freiberuflern, firmeninternen und Amateurüberetzern (Risku, Rogl und Pein-Weber).  Die Kerngruppe der Artikel befasst sich schließlich mit den in- und externen Gefahren , denen der Übersetzerberufsstand ausgesetzt ist. Eine interne Bedrohung geht vom anti-Professionalisierungsethos der Literaturübersetzer (Sela-Sheffy)  aus, sowie von der internen Hierarchisierung (Hunziker Heeb). Externe Gefahren gehen aus von Crowd-Sourcing (Flanagan), Verunsicherung des Marktes und temporärer Deprofessionalisierung durch  neuerdings häufig auftretendem Identitätsdiebstahl (Pym, Orrego-Carmona, Torres-Simon). Schlussendlich gibt es die von der Technologie ausgehenden Gefahren: computerunterstützte Übersetzung (Christensen und Schjoldager; Bundgaard, Christensen und Schjoldager) und maschinelle Übersetzung (Koponen).

Zum Thema gibt es in dieser Ausgabe auch zwei Interviews: das eine mit dem Direktor eines Übersetzungsunternehmens, das andere mit einem freiberuflich arbeitenden Übersetzer.

Mit seinem Reichtum an Perspektiven und seinem methodischen Eklektizismus erweist sich die Erforschung des Übersetzerberufes als starke und notwendige Unterabteilung der Übersetzungswissenschaft.

Lucja Biel

Übersetzung: Liselotte Brodbeck